VERANSTALTUNGSKALENDER


GRÜNER SALON mit Christiane Frenz
14. Mai 2019, 17.00 Uhr


"Ein neues Haus ist Luthers Apfelbaum, also Bejahung, Wagnis der Dauer"
Brigitte Reimann an Christa Wolf

20 Jahre Brigitte-Reimann-Literaturhaus
Programm


14. Mai 2019, 19.00 Uhr
"Wolfgang Hilbig. Eine Biografie"
Lesung mit Michael Opitz

Wolfgang Hilbig (1941-2007) gilt als einer der sprachmächtigsten Autoren der deutschen Literatur und als einer ihrer geheimnisvollsten Außenseiter. Er arbeitete in den verschiedensten Berufen, u. a. lange Jahre als Heizer in Meuselwitz, aber auch als Aufräumer in der Gaststätte "Nonnenhof" am Tollensesee, kam über die Bewegung schreibender Arbeiter zu einem beachteten Platz in der DDR-Literatur, fiel durch eine eigenwillige literarische Sprache und ästhetische Suggestionskraft auf und thematisierte Irritationen, Ängste und Identitätskrisen. DDR-Verlage lehnten seine Manuskripte ab, sein erstens Buch erschien 1979 in der BRD, was mit einer mehrwöchigen Haft und Geldstrafe wegen "Devisenvergehens" bestraft wurde. Nachdem 1983 noch der Gedichtband "Stimme, Stimme" in der DDR erschienen war, siedelte Hilbig 1985 in die Bundesrepublik über und veröffentlichte zahlreiche Lyrik- und Erzählbände und Romane. Der Berliner Literaturwissenschaftler Michael Opitz hat nach Jahren intensiver Recherchen die erste Biografie über den Schriftsteller veröffentlicht.
Moderation: Carola Opitz-Wiemers

Eintritt: 6,00 €/erm. 4,00 €

Anmeldung: 0395/5719180 oder
info@literaturzentrum-nb.de

21. Juni 2019, 18.30 Uhr
Sommerfest
Die STEINLANDPIRATEN spielen GUNDERMANN


Der Garten des Literaturhauses wird zum Treffpunkt für Literaturliebhaber, bei Essen und Getränken vom Partyservice kann man sich einstimmen auf den Sommeranfang und auf ein ganz besonderes Abendprogramm. Ab 19.30 Uhr spielen die STEINLANDPIRATEN Lieder von GUNDERMANN. Patti Heidrich und Karsten Schützler fanden sich 2015 zum akustischen Duo STEINLANDPIRATEN zusammen, um sich den Liedern von Gerhard GUNDI Gundermann zu widmen. Die Songs von Gundermann spiegeln die Zerrissenheit einer Ostgeneration wider, die sich scheinbar nie richtig selbst gefunden hat. Heimatliebe, gepaart mit dem Bewusstsein, dass der Mensch seine Lebensgrundlage Natur selbst zerstört. Sehnsucht nach Liebe und Geborgenheit und gleichzeitig immer Auf-dem-Sprung-sein, weil es Angst vor Bindung oder einfach etwas Besseres noch geben könnte. Ein Abend mit den wunderbar poetischen und gleichzeitig gesellschaftlich engagierten Liedern von Gerhard GUNDI Gundermann, der am 21. Juni 1998 im Alter von nur 43 Jahren gestorben ist.

Eintritt: 8,00 €/erm. 6,00 €

Anmeldung: 0395/5719180 oder
info@literaturzentrum-nb.de

3. September 2019, 19.00 Uhr
"Jena 1800" und "areale und tage"
Lesung mit Peter Neumann


Der Philosoph und Lyriker Peter Neumann, 1987 in Neubrandenburg geboren, war nach seinem Studium in Jena und Kopenhagen wissenschaftlicher Mitarbeiter an der Professur für Philosophie an der Universität Jena, wo er 2017 mit einer Arbeit zum Zeitbegriff bei Schelling und Kant promoviert wurde. Seit zehn Jahren veröffentlicht er Gedichte, darunter der Band "areale und tage" von 2018. Ebenfalls 2018 erschien sein erstes Sachbuch: "Jena 1800, Die Republik der freien Geister". Peter Neumann beschreibt darin eine Zeit, in der mit den Ideen der Französischen Revolution nicht nur die politischen Verhältnisse in Europa ins Wanken geraten. Eine ganze Generation von jungen Dichtern und Philosophen beschließt, die Welt neu zu denken. Die führenden Köpfe - darunter die Brüder Schlegel mit ihren Frauen, der Philosoph Schelling und der Dichter Novalis - treffen sich in der thüringischen Universitätsstadt, um eine "Republik der freien Geister" zu errichten. Sie stellen nicht nur gesellschaftliche Traditionen in Frage, sie revolutionieren mit ihrem Blick auf das Individuum und die Natur zugleich auch unser Verständnis von Freiheit und Wirklichkeit - bis heute. In der Lesung aus beiden Büchern gibt Peter Neumann Einblicke in den Facettenreichtum seiner schriftstellerischen Arbeit.
Moderation: Dr. Volker Brasch

Eintritt: 6,00 €/erm. 4,00 €

Anmeldung: 0395/5719180 oder
info@literaturzentrum-nb.de

21. September 2019, 17.00 Uhr
"Nackt und Wölfen" - ein Roman und zwei Verfilmungen
Lesung und Gespräch mit Susanne Hantke


Der Roman "Nackt unter Wölfen", 1958 in der DDR erschienen, wurde innerhalb kurzer Zeit ein Welterfolg. Sein Autor, der Kommunist Bruno Apitz (1900-1979), war selbst Häftling in Buchenwald gewesen und hatte fast acht Jahre Lager überlebt. Nachdem die Buchenwalder Kommunisten in der frühen DDR ins politische Abseits geraten waren, wollte Apitz den Überlebenskampf der Kommunisten im KZ schildern und die politisch-moralischen Konflikte des Widerstands zum Thema machen. Die Idee zum Roman entstand bald nach der Befreiung, doch erst ab 1954 wagte sich Apitz an den Stoff. Drei Jahre lang arbeitete er intensiv an dem Manuskript: Figuren und Szenen fielen der Selbstzensur und konkurrierenden politischen Lesarten zum Opfer. Die Historikerin und Germanistin Susanne Hantke stellt die Ergebnisse ihrer Forschungen zur Biographie von Bruno Apitz vor und erhellt dabei die bisher wenig bekannten Umstände seiner Lagerhaft und der Entstehung des Romans. Anhand von Beispielen aus den beiden Verfilmungen durch die DEFA (1963) und durch die ARD (2015) thematisiert sie die unterschiedliche Herangehensweise bei der filmischen Umsetzung des Stoffes.

Eintritt: 6,00 €/erm. 4,00 €

Anmeldung: 0395/5719180 oder
info@literaturzentrum-nb.de

8. Oktober 2019, 19.00 Uhr
So lange her, schon gar nicht mehr wahr
Lesung mit Franziska Gerstenberg


Manchmal bricht in Franziska Gerstenbergs Erzählungen etwas ein, das ein sorgsam eingerichtetes Zuhause für immer verändert. Manchmal kommen ihre Figuren gar nicht erst dazu, das ersehnte Familienleben aufzubauen, weil die Realität dem Traum vom Haus, vom Kind, von der großen Liebe entgegensteht. Den Alltag zu bestreiten, eine Beziehung zu führen und die Familie oder das Alleinsein zu akzeptieren: Franziska Gerstenberg beschreibt in ihren neuen Erzählungen die in jeder Hinsicht prekären Verhältnisse unserer Welt. Das Buch "So lange her, schon gar nicht mehr wahr" ist 2016 erschienen und versammelt acht lange Erzählungen, die sich von unterschiedlichen Seiten dem Thema "Zuhause" nähern. Für dieses Werk wurde Franziska Gerstenberg mit dem Sächsischen Literaturpreis ausgezeichnet.
Moderation: Erika Becker

Eintritt: 6,00 €/erm. 4,00 €

Anmeldung: 0395/5719180 oder
info@literaturzentrum-nb.de

4. November 2019, 19.00 Uhr
4. November 1989
Ein Abend zum 30. Jubiläum der friedlichen Wende in der DDR


Am 4. November 1989 fand in Berlin eine Demonstration gegen staatliche Gewalt und für Presse-, Meinungs- und Versammlungsfreiheit statt, die von Berliner Künstler*innen und Kulturschaffenden als Reaktion auf Übergriffe gegen Demonstranten während der Feierlichkeiten zum 40. Jahrestag der DDR organisiert worden war. Auf der Abschlusskundgebung auf dem Alexanderplatz sagte der Schriftsteller Stefan Heym: "Es ist, als habe einer die Fenster aufgestoßen nach all den Jahren der Stagnation, der geistigen, wirtschaftlichen, politischen, den Jahren von Dumpfheit und Mief, von Phrasengewäsch und bürokratischer Willkür, von amtlicher Blindheit und Taubheit." Es war ein mentaler, ein politischer Akt der Befreiung und der Selbstbestimmung, der heute zu Unrecht halb vergessen ist.
Otto Sander Tischbein, Kunstmaler, zeigt 30 Grafiken, die bis 1989 entstanden sind, und liest historische Texte aus zeitgenössischen Veröffentlichungen. Dauer der Veranstaltung plus Einführung und Zugabe ca. eine Stunde.

Eintritt: 6,00 €/erm. 4,00 €

Anmeldung: 0395/5719180 oder
info@literaturzentrum-nb.de

19. November 2019, 19.00 Uhr
Nenn mich November
Lesung mit Kathrin Gerlof


Marthe und David, deren Firma für umweltfreundliches Geschirr pleite gegangen ist, ziehen nach der Privatinsolvenz von Berlin in ein altes Haus in einem sterbenden Dorf, dessen Bewohner sich mehr oder weniger aufgegeben haben. Abgeschnitten von den neuen Kommunikationsmitteln und umzingelt von genmanipulierten Maisfeldern für das Betreiben von Biogasanlagen, scheint das Dorf seine Seele verloren zu haben. Das Land ringsum befindet sich in der Hand zweier Männer, deren Väter es einst kollektiviert hatten und die um Einfluss und Macht im Dorf konkurrieren. Als Flüchtlinge ankommen, entsteht Unsicherheit und die Einheimischen erwachen aus ihrer Lethargie. Kathrin Gerlof erzählt vom Verlust der Mitte und dem Leben am gesellschaftlichen Rand.
Moderation: Heide Hampel

Eintritt: 6,00 €/erm. 4,00 €

Anmeldung: 0395/5719180 oder
info@literaturzentrum-nb.de

3. Dezember 2019, 19.00 Uhr
Sternstunde "Mutprobe"
20 Jahre Brigitte-Reimann-Literaturhaus


"Du vermutest, dass Ortswechsel, Hauswechsel, Umziehen ein Ersatz für andere Arten von Aktivität ist. Möglich, dass wir beide dasselbe meinen; ich habe es nur mit einem anderen Namen belegt, der freilich etwas nach Winnetou klingt: Mutprobe. Und ein paar Schichten tiefer, versteckt, meinetwegen verdrängt, wie manche anderen Sehnsüchte, schwer artikulierbar: Hoffnung", schrieb Brigitte Reimann am 29.1.1969 an Christa Wolf.
Die Neubrandenburger Autorin Regina Raderschall hat sich als Gäste für diesen Abend die Initiatorin des Literaturhauses, Heide Hampel, dessen Architektin Sonni Bock und den Künstler Otto Sander Tischbein zu einem Gespräch über Hoffnung, Mut und Scheitern in der Kunst wie im Leben eingeladen.

Eintritt: 6,00 €/erm. 4,00 €

Anmeldung: 0395/5719180 oder
info@literaturzentrum-nb.de

Für die Förderung des Programms zum 20-jährigen Bestehen des Brigitte-Reimann-Literaturhauses danken wir:

Dr. Lars Pischzik, Berlin
Ministerium für Bildung, Wissenschaft und Kultur Mecklenburg-Vorpommern
Landkreis Mecklenburgische Seenplatte
Stadt Neubrandenburg im Projekt "Bücherfrühling"