WISSENSCHAFTLICHE KONFERENZEN

Seit 1998 lädt das Literaturzentrum Neubrandenburg e.V. gemeinsam mit dem Institut für Germanistik der Universität Potsdam zu Konferenzen, die sich der Literatur von Frauen widmen. ( vgl. Beitrag von Ute Wölfel in: Weimarer Beiräge Nr. 4 /2002, S. 604-611, Passagen Verlag ISBN 0043-2199)
In Zusammenarbeit mit der Hans-Fallada-Gesellschaft werden Konferenzen zu Hans Fallada in Carwitz durchgeführt.

6.-8. November 2014
Internationale Tagung
"Zwischen literarischer Ästhetik und sozialistischer Ideologie"
Zur internationalen Rezeption und Evaluation der DDR-Literatur

Werke der Schriftstellerin Brigitte Reimann (1933-1973) werden seit den 1960er Jahren im In- und Ausland verlegt und gelesen. Neue Übersetzungen in den Niederlanden, in Spanien, Italien und Frankreich werfen die Frage auf: Was interessiert heute am Werk einer Schriftstellerin, deren Lebenszeit und literarische Wirkungsabsicht eng mit der untergegangenen DDR verbunden war?
Diese Frage war Ausgangspunkt für die Konzeption einer wissenschaftlichen Tagung, die Brigitte Reimann im Blick hat, darüber hinaus aber nach der Rezeption von DDR-Literatur im In- und Ausland vor und nach 1990 fragt. Der Vergleich von westlichen und östlichen literaturgeschichtlichen Abhandlungen zur DDR-Literatur zeigt erhebliche Unterschiede sowohl in der Auswahl als auch in der Beurteilung von Prosawerken, die in der DDR entstanden sind. Häufig wurde und wird davon ausgegangen, dass in der DDR Autoren und Werke gefördert wurden, die ihre Bedeutung vor allem der politischen Zustimmung zum Sozialismus verdankten, während in der BRD die ästhetische Qualität der Texte für deren Beurteilung ausschlaggebend gewesen sei. Demgegenüber ist davon auszugehen, dass diesen Auswahlmechanismen nicht nur ein einziger Bewertungsmaßstab zugrunde lag, sondern dass eine Vielzahl unterschiedlicher Aspekte dabei eine Rolle spielte. Anhand von beispielhaften Untersuchungen einzelner Werke und ihrer Rezeption sollen diese aufgedeckt werden. Dabei kommt der Einbeziehung der nicht-deutschen Rezeption von DDR-Literatur in dieser Konferenz eine besondere Bedeutung zu, denn gerade sie kann dazu dienen, Rezeptionskonflikte zwischen Ost- und Westdeutschland neu zu bewerten.

Tagungsort: Hotel Am Ring, Neubrandenburg, Große Krauthöferstr. 1

Eine Kooperationsveranstaltung mit der Bergischen Universität Wuppertal.

Tagungsprogramm

Donnerstag, 6. November 2014

15 : 00 Uhr
Begrüßung
Einführung
PD Dr. Matthias Aumüller (Wuppertal)
Der lange Atem des sozialistischen Realismus Thesen zum Verhältnis von politischer Ideologie und ästhetischer Wertung in der Rezeption der DDR-Literatur

15 : 30 – 17 : 00 Uhr
Prof. Dr. Lutz Hagestedt (Rostock)
„Sie haben ihre Biographie ruiniert“ Walter Kempowskis Spitzen gegen die DDR-Literatur
Dr. Catherine Fabre-Renault (Paris)
Frankreich – ein Sonderfall? Die Rezeption der DDR-Literatur und die Rolle der KPF

17 : 00 – 17 : 30 Uhr Pause

17 : 30 – 18 : 15 Uhr
Kristina Stella (Kronberg/Ts.) Der andere Blick Brigitte Reimanns Leben und Werk aus der Sicht Ostund Westdeutschlands – vor und nach dem Mauerfall

20 : 00 Uhr
Empfang der Stadt Neubrandenburg
Rathaus, Friedrich-Engels-Ring 53
Teilnahme auf Einladung

Freitag, 7. November 2014
09 : 00 – 10 : 30 Uhr
Prof. Dipl.-Päd. Hans-Wolfgang Lesch (Lüneburg)
Der verkannte Erik Neutsch – ein DDR-Romancier im Spiegel der West-Literaturkritik
Prof. Dr. Carsten Gansel (Gießen)
Diametrale Gegensätze. Zur Rezeption von Erwin Strittmatter in Ost und West

10 : 30 – 11 : 00 Uhr Pause

11 : 00 – 12 : 30 Uhr
Prof. Dr. Birgit Dahlke (Berlin)
DDR-Autor, deutscher Autor oder deutsch-jüdischer Autor? Zur widersprüchlichen Kanonisierung Jurek Beckers in Ost und West
Dr. Leonore Krenzlin (Berlin)
Literarische Kritik in politischen Verhältnissen. Zur Rezeption von Hermann Kants Werken in der DDR und der BRD

12 : 30 – 14 : 30 Uhr Mittagspause

14 : 30 – 16 : 00 Uhr
Dr. Michal Skop (Katowice)
Die Literatur der DDR in den literaturkritischen Beiträgen Wilhelm Szewczyks
Dr. Elke Gilson (Gent)
Christa Wolf in Flandern

16.00 Uhr - 16.30 Uhr Pause

16.30 Uhr - 18.00 Uhr
Prof. Dr. Grazyna Szewczyk (Katowice)
Christa Wolf im kulturellen Raum Schwedens
Dr. Astrid Köhler (London)
Maxie Wanders "Guten Morgen, du Schöne": Vermarktung und Kanonisierung in Ost und West

Sonnabend, 8. November 2014
9.00 Uhr - 10.30 Uhr
Dr. Ibon Zubiaur (Bilbao/Berlin)
Die DDR-Literatur aus spanischer Sicht. Wege zur Neubewertung des Kanons
Dr. Maria Brosig (Potsdam) Gewendete Rezeptionsgeschichte(n) am Beispiel von Günter de Bruyn

10.30 Uhr - 11.00 Uhr Pause

11.00 Uhr - 13.00 Uhr
PD Dr. Matthias Aumüller
Seltene Einmütigkeit.
Die literarästhetische Beurteilung der Aufbauromane in Ost und West
Abschluss und Ausblick

Tagungsmoderation
Dr. Margrid Bircken (Potsdam)
Dr. Janine Ludwig (Bremen)

Die Tagung ist öffentlich. Gäste sind willkommen.
Eintritt: 5 € pro Konferenztag/12 € für das gesamte Vortragsprogramm

Anmeldung: 0395/5719180 ________________________________________________________________________________


Rückblick auf die Konferenzen seit 1998

1998 - Brigitte Reimann „Als habe ich zwei Leben“

25.-27.09.1998, Musikschule Neubrandenburg, Kammermusiksaal

Der Zusammenhang von Leben und Schreiben, von Autobiografie und literarischem Werk stand im Mittelpunkt der ersten wissenschaftlichen Konferenz zu Brigitte Reimann im September 1998 in Neubrandenburg. Die Teilnehmerinnen und Teilnehmer kamen aus unterschiedlichen Ländern und gehörten verschiedenen Generationen an. Schon daraus ergaben sich vielfältige thematische und methodische Ansätze der Annäherung an die Schriftstellerin und ihre Texte. Jenseits vergangener und gegenwärtiger Funktionalisierungen entstanden so verschiedenen Sichten auf das bewegte und bewegende Leben der Autorin und ihren Platz in den gesellschaftlichen und literarischen Verhältnissen ihrer Zeit.

Konferenzband ISBN 3-910170-34-X in: www.federchen-verlag.de


1999 - „Brief - Netz - Werk“
Schreibende Frauen in der DDR und ihre Informations- und Kommunikationssysteme

08./09.10.1999, Musikschule Neubrandenburg, Kammermusiksaal, und Brigitte-Reimann-Literaturhaus

Brief-Netz-Werk hieß das zweite Projekt auf den Spuren von Brigitte Reimann, und mit dem Titel der Tagung sollte signalisiert werden, dass es zwischen dem PRIVATEN (Brief) und dem ÖFFENTLICHEN (Werk) keine sich säuberlich trennenden Mauern gibt, sondern dass sich in der DDR-Gesellschaft ein spezifisches Kommunikationsverhältnis hergestellt hatte, das nur teilweise mit dem Zwang der Verhältnisse erklärt werden kann. Es wird in den Beiträgen der Frage nachgegangen, ob und wie schreibende Frauen in der DDR ihre Informations- und Kommunikationssysteme entwickelt haben, über welche Fragen und Probleme sie sich ausgetauscht haben und ob es geschlechts- oder zunftspezifische Denkweisen gibt.

Konferenzband ISBN 3-910170-40-4 in: www.federchen-verlag.de


2000 - „Reisen-Hals über Kopf“

15./16.09.2000, Musikschule Neubrandenburg, Kammermusiksaal, und Brigitte-Reimann-Literaturhaus

Frauen reisen, wenn es nach der Dokumentation dieser Reisen geht, eigentlich erst seit dem 19. Jahrhundert, ausgenommen so bekannte Frauen wie Anna Maria Sybilla Merian oder Lady Mary Mantagu, die schon im 18. Jahrhundert unterwegs waren. Was uns heute als selbstverständlich erscheint, war bis in die 30er Jahre des 20. Jahrhunderts ein männliches Privileg, begrenzt auf bestimmte soziale Gruppen. Dem entsprechen die wenigen Dokumente weiblicher Reiselust. Zahlreich sind dagegen die Vorbehalte, Spottreden und Verdikte gegen reisende Frauen, selbst gegen deren Wallfahrten.
„Reisen – Hals über Kopf“ war deshalb das Thema unserer dritten Konferenz zur Frauenliteratur, deren aktueller Anlass die Neuausgabe des Reisefeuilletons von Brigitte Reimann „Das grüne Licht der Steppen“ war. Die Reise als Topos in der Literatur von Frauen des 20. Jahrhunderts wird dabei aus ganz unterschiedlichen Blickwinkeln betrachtet: als Bildungserlebnis, als Möglichkeit der Selbsterfahrung oder als aufgezwungene Reise wider Willen.

Konferenzband ISBN 3-910170-51-X in: www.federchen-verlag.de



2001 - LESARTEN
„Franziska Linkerhand“ Kultbuch einer Generation?

21./22.09.2001, Brigitte-Reimann-Literaturhaus

Auf der Tagung der Brigitte-Reimann-Gesellschaft im Jahr 2001 stand der Roman „Franziska Linkerhand“ im Mittelpunkt des Interesses. „Diskussion von Lesarten“ nannten die Organisatorinnen ihre Absicht, einen Austausch zwischen den verschiedenen Generationen der Leserinnen und Leser von Brigitte Reimanns wichtigstem Buch zu initiieren. Es sollte darum gehen, in einem „ Hin und Her“ (Sartre) zwischen kritischer Verständigung über Bedeutungen und Sinnpotentiale des Textes und den je unterschiedlichen historischen und literarischen Erfahrungen der Lebensalter kommunikative Brücken zu bauen. Die Tatsache, dass es von literarischen Werken unterschiedliche, mit gleichem Anspruch auf Geltung vorgetragene Lesarten gibt, das Wissen von sich historisch und sozial verändernden Auslegungen, vereinfachte aber die Diskussion zwischen den TeilnehmerInnen nicht.
Die unterschiedlichen Deutungen und Lesarten werden in diesem Band dokumentiert.

Konferenzband ISBN 3-910170-52-8 in : www.federchen-verlag.de


Gemeinsam mit der Hans-Fallada-Gesellschaft e.V. lud das Literaturzentrum Neubrandenburg 2002 erstmals zu einer wissenschaftlichen Konferenz zum Werk des Schriftstellers Hans Fallada ein. Weitere wissenschaftliche Konferenzen folgten.

2002 - Erlebnisräume als Ordnungsräume der Erfahrung.
Zum Anteil Hans Falladas an der Moderne des 20. Jahrhunderts

18./19.07.2002, Hans-Fallada-Haus Carwitz, Scheunensaal

Hans Fallada gehört zu denjenigen Autoren, deren Werke durch alltags-realistisch behandelte Themen und plastisch gestalteten Charaktere in der Erinnerung des Lesers haften bleiben. Auch der literaturwissenschaftliche Zugriff favorisiert die Frage nach der Gestaltungs- und Abbildrelation, die die Texte scheinbar zwingend nahelegt.
Ohne diese berechtigte Frage abweisen zu wollen, wäre es an der Zeit, anknüpfend an die Tradition der internationalen Hans-Fallada-Konferenzen von 1993 und 1995 in Greifswald, den Problemhorizont für die Behandlung des Werkes von Fallada zu erweitern, um die Bedeutung dieses Autors für die Literatur der 1. Hälfte des 20. Jahrhunderts neu zu zentrieren.

Ausgangspunkt dabei kann die Tatsache sein, daß Fallada konkrete Erlebnisräume aufgreift, die oft autobiographisch verankert sind. Doch das Ziel ihrer Darstellung ist nicht die beschreibende Rekonstruktion eines allgemeinen gesellschaftlichen Problems (Kriminalität, Verarmung, soziale Konflikte, Sucht usw.), sondern der Versuch eines zutiefst verstörten Individuums, in den Strukturen der Realität einen Sinnraum zu erschließen.
Ein Konferenzband erscheint 2003 als Hans-Fallada-Jahrbuch im Federchen Verlag.


2003 - Architektur und Literatur in der deutschsprachigen Literatur nach 1945

19./20.09.2003, Musikschule Neubrandenburg, Kammermusiksaal, und Brigitte-Reimann-Literaturhaus

Der 70. Geburtstag von Brigitte Reimann ist Anlaß für die Konferenz. Vor allem Reimanns ,Architektenroman' "Franziska Linkerhand" gab die Anregung, eine deutsch-deutsche Bestandsschau zur Nachkriegsliteratur zu beginnen, die mit den Kennzeichen "Trümmerliteratur" oder "Aufbauliteratur" nur unzureichend charakterisiert ist. Von den ReferentInnen werden ausgewählte Werke der deutschen Literatur in der zweiten Hälfte des 20. Jahrhunderts untersucht, in denen sich die Erfahrung von Zerstörung zweier Weltkriege eingeschrieben hat und in denen die Architektenfigur als Protagonist gesellschaftlicher Zusammenhänge agiert. Aus der Sicht von Architekturkritikern sollen die literaturgeschichtlichen Darstellungen flankiert werden. Es geht um die Diskussion von Städtebau als Ausdruck von Gesellschaftskonzepten oder/und von Vorstellungen von "Menschen". Die Stadt als größte Vergegenständlichung von Kultur (Georg Simmel) ist nicht nur als Topos der Literatur zunehmend wieder von Bedeutung, sondern in Frage gestellt. Im Osten Deutschlands vollzieht sich ein bisher in Deutschland nicht gekannter Umbruch. Die Abwanderung/Verödung solcher Städte wie Wittenberge im Westen Brandenburgs oder Hoyerswerda im ostsächsischen Raum ist im Vergleich mit dem Umbau von Städten im Ruhrgebiet chaotisch, ungesteuert, sozial explosiv. "... weil im Grunde niemand weiß, wohin die Reise der postindustriellen Gesellschaft geht, bedarf der Transformationsprozeß einer sorgfältigen Begleitung." (Wolfgang Kil)

Konferenzband ISBN 3-910170-60-9 in : www.federchen-verlag.de



2004 - Workshop
"Literatur der Arbeitswelt"


30.09.-02.10.2004, Hoyerswerda

Vortragsthemen:
"Brigitte Reimann in Hoyerswerda und Schwarze Pumpe"
"Brigitte Reimann und Hoyerswerda"
"Besuch der Plattenstädte Ost- und Mitteleuropas"
"Elsa Brandström und Schmeckwitz"

Exkursion zum Tagebau Welzow-Süd, Kraftwerk Schwarze Pumpe, Bernsteinsee (Bergbaufolgelandschaft)

Studenten aus Hoyerswerda stellen ihre Magister-Arbeiten zu Brigitte Reimann vor

"Brigitte Reimann - Spaziergang durch Hoyerswerda"

"Franziska Linkerhand" - Theaterbesuch der Neuen Bühne Senftenberg



2005 - Der Kompromiss mit der Macht
Dimensionen der inneren Emigration in der Diktatur
Hans Fallada und seine Zeitgenossen

21./22.07.2005, Hans-Fallada-Haus Carwitz, Scheunensaal

Der Begriff der Inneren Emigration, der heute beispielsweise auch für kritische österreichische Gegenwartsautoren wie Elfriede Jelinek in Anspruch genommen wird, bezog sich bei seiner Nutzung 1945 (Frank Thiess in seiner Polemik mit Thomas Mann) eigentlich auf ein Phänomen der deutschen Literatur zwischen 1933 bis 1945. Zwischen zwei radikale Alternativen gestellt: entweder aktiv an der faschistischen Inanspruchnahme der Kunst zu partizipieren oder mit dem Exil Sprache und Publikum zu verlieren, entschieden sich zahlreiche Schriftsteller, in Deutschland zu bleiben. Diese bildeten jedoch keine kohärente Gruppe. Es eröffnet sich eine weite Palette von Reaktionen auf die faschistische Diktatur, die mit dem vereinheitlichenden Begriff der Inneren Emigration mehr verdeckt als detailliert beleuchtet wird.
Zu den Autoren, die darunter subsumiert wurden, gehört auch der Schriftsteller Hans Fallada. Es ist eines der Desiderata der Fallada-Forschung wie des kulturpolitischen Umgangs mit Fallada, diese Positionierung noch nicht eingehend und im Vergleich mit anderen Stellungnahmen untersucht und bewertet zu haben.
Dem stellte sich die von der Hans-Fallada-Gesellschaft e.V., der Hans-Fallada-Stiftung gemeinsam mit dem Literaturzentrum Neubrandenburg e.V. veranstaltete internationale Tagung.



2005 - Tagung "Literatur und Arbeit"
der Brigitte-Reimann-Gesellschaft e.V. und der Anna-Seghers-Gesellschaft Berlin und Mainz e.V.

18. bis 20. November 2005
Altes Rathaus Potsdam, Am Alten Markt 9


2008 - Kolloquium "Frauen und andere Hexen"
Im Jahresprogramm zum 75. Geburtstag von Brigitte Reimann.
Angeregt von Irmtraud Morgners Satz "Der weibliche Ketzer heißt Hexe" wurde auf dem Kolloquium das kreative, widerständige und subversive Potential weiblicher Lebensentwürfe im menscheitsgeschichtlichen Kontext diskutiert.

3. und 4. Oktober 2008
Brigitte-Reimann-Literaturhaus Neubrandenburg