Literaturzentrum Neubrandenburg e.V.


Buchtipp:
Wolfgang Gabler
Vom Wandel der Literaturgesellschaft
Zur Geschichte des Literaturzentrums Neubrandenburg 1971 - 2006

Edition M. Rostock und Weimar 2007
ISBN 978-3-933713-26-1

Das Literaturzentrum Neubrandenburg war bei seiner Gründung im Jahr 1971 das Erste seiner Art in der DDR. Heute existiert es als Einziges fort. Damit veranschaulicht seine Geschichte auf einzigartige Weise den Wandel der Literaturgesellschaft in Ostdeutschland. Der Literaturwissenschaftler Wolfgang Gabler wertet in seiner Darstellung viele bislang unberücksichtigte Dokumente aus und lässt zahlreiche Zeitzeugen zu Wort kommen. Dabei entsteht ein komplexes Geschichtsbild, das dem Leser erlaubt, eigene Schlüsse zu ziehen.

Das Brigitte-Reimann-Literaturhaus ist:
· ein lebendiger kultureller Gedächtnisort, wo Poesie, Wissenschaft und Öffentlichkeit zusammentreffen
· Zentrum eines literarischen Netzwerkes mit überregionaler Bedeutung
· Ansprechpartner in Sachen Literatur
· ein Ort gesellschaftlicher Ereignisse
· Zentrum aktueller, kontroverser Diskussion kultureller und politischer Thematik mit historischer Dimension


Das Brigitte-Reimann-Literaturhaus bietet:
· professionellen Künstlern und Literaten sowie deren begabtem Nachwuchs Auftrittsmöglichkeiten
· Platz für zufällige, zwanglose, gesellige Begegnung zwischen einem interessierten Publikum und Vertretern aus Industrie, Wirtschaft, Politik, Kultur und dem gesellschaftlichen Leben
· Impulse für kulturelles und literarisches Leben
· Widerspieglung aktueller Stimmungen und Strömungen der Zeit


Geplant, aufgebaut und mit Leben erfüllt hat das Brigitte-Reimann-Literaturhaus im Auftrage der Stadt Neubrandenburg der Trägerverein Literaturzentrum Neubrandenburg e.V., der im Brigitte-Reimann-Literaturhaus seinen Sitz hat.
Ständige Förderer der Arbeit des Trägervereins sind die Stadt Neubrandenburg, das Ministerium für Bildung,Wissenschaft und Kultur Mecklenburg-Vorpommern, der Landkreis Mecklenburg-Strelitz und die Hans- Fallada-Stiftung.Projektbezogene Förderung gaben der Bund, die Arbeitsgemeinschaft Literarischer Gesellschaften und Gedenkstätten e.V., die Stiftung Kulturfonds, die Stiftung der Neubrandenburger Sparkasse sowie private Spender und Sponsoren.

Das Literaturzentrum Neubrandenburg besteht als Institution seit 1971 und ging 1993 in die Trägerschaft eines freien Vereins über. Es leistet einen wesentlichen Beitrag zum integrierten Stadtentwicklungskonzept Neubrandenburgs, welches die kulturellen Leistungen der Literatur und Musik besonders hervorhebt. Das Literaturzentrum ist Teil der kulturellen Leistungen der Stadt in ihrer Funktion als Oberzentrum.

Das Literaturzentrum Neubrandenburg e.V. baute im Auftrag der Stadt Neubrandenburg das Brigitte-Reimann- Literaturhaus (1999) auf, einen modernen literarischen Gedächtnisort von überregionaler Bedeutung.
An diesem Ort verlebte die Schriftstellerin Brigitte Reimann (1933-1973) ihre letzten Lebensjahre und schrieb an ihrem Roman "Franziska Linkerhand", der ein Millionenpublikum erreichte und in mehrere Sprachen übersetzt wurde. Durch ihre Tagebücher und Briefe, die in der Zeit der DDR entstanden und zum großen Teil erst nach 1989 veröffentlicht worden sind, erfuhr das Interesse an der Person der Schriftstellerin und ihrem Werk eine Renaissance.
Der Literaturkritiker Marcel Reich-Ranicki sagte 1998 über diese Tagebücher:
"Ein Parlando, in dem der Odem großer Literatur weht. Ich habe nichts Vergleichbares gelesen. Dieses Tagebuch hat die Qualität eines Romans und die Vorzüge eines Tagebuchs. Es hat mich ergriffen."
Das Literaturzentrum Neubrandenburg e.V. hat mit öffentlichen Mitteln und Spenden den Nachlaß der Schriftstellerin erworben und besitzt damit die umfangreichste Sammlung, die die Grundlage für Editionen, Filme, Ausstellungen und wissenschaftliche Forschung bildet.
Im Brigitte-Reimann-Literaturhaus ist eine ständige Ausstellung zu sehen, die zusammen mit Haus und Garten für Einwohner und Besucher ein Kleinod im Ensemble der Sehenswürdigkeiten der Stadt darstellt. Damit fügt sich das Brigitte-Reimann-Literaturhaus ein in die literarischen Gedächtnisorte des Landes Mecklenburg-Vorpommern zu Gerhart Hauptmann, Ehm Welk, Ernst Barlach, Wolfgang Koeppen, Fritz Reuter und Hans Fallada.

Das Literaturzentrum Neubrandenburg hat kurze Zeit nach seiner Gründung damit begonnen, ein Literaturarchiv (1973) aufzubauen und besitzt somit die facettenreichste und umfänglichste Sammlung des Landes Mecklenburg-Vorpommern zur Literatur nach 1945. Zu den zum Teil 30jährigen Beständen gehören neben den Reimann-Papieren auch Nachlässe und Sammlungen anderer bedeutender Autoren mit Bezug zur Region. Im Brigitte-Reimann-Literaturhaus ist eigens dafür ein funktionstüchtiges Depot geschaffen worden, in dem alle Originale lagern. In den Jahrzehnten ist der materielle Wert der Papiere zum Teil um das zwanzigfache gestiegen. Das literarische Archiv ist damit einer der kulturellen Schatzbildner des Landes. Sein ideeller Wert ist als Identitätsstifter und gesellschaftliches Gedächtnis nur unzureichend beschrieben.

Ein unersetzlicher Bestand von nationaler und internationaler Bedeutung ist der des Schriftstellers Hans Fallada. Den Nachlaß des Weltautors pflegt und verwaltet das Literaturzentrum treuhänderisch für das Land Mecklenburg-Vorpommern. Die dazugehörige Sammlung ist Eigentum des Literaturzentrums und bildet die Grundlage für Editionen, Filme und eine weltweite wissenschaftliche Nutzung sowie für die Ausstattung des Museums in Carwitz (Mecklenburg-Strelitz). Mit finanzieller Unterstützung der Hans-Fallada-Stiftung (gegründet 2000) führt das Literaturzentrum Neubrandenburg e.V. das Hans-Fallada-Archiv auf dem Carwitzer Museumshof.

Das Literaturzentrum Neubrandenburg e.V. ist das Zentrum eines literarischen Netzwerkes, dem Mitglieder und ehrenamtlich Tätige aus Mecklenburg-Vorpommern, dem gesamten deutschsprachigen Raum und dem Ausland angehören. Auf Initiative und unter Mitwirkung des Literaturzentrums gründeten sich die Hans-Fallada-Gesellschaft, die Hans-Fallada-Stiftung, die Mecklenburgische Literaturgesellschaft, die Brigitte-Reimann-Gesellschaft, der Federchen-Verlag und der Literaturrat Mecklenburg-Vorpommern. Darüber hinaus bestehen sowohl feste als auch projektbezogene Arbeitsbeziehungen zum Literaturhaus Kuhtor in Rostock, zum Landesschriftstellerverband, dem landesweit und bundesweit agierenden Friedrich-Bödecker-Kreis (für Kinder-und Jugendliteratur), der Fritz-Reuter-Gesellschaft, zu den regional tätigen Mitgliedern der Pirckheimer Gesellschaft und dem Arbeitskreis Friedrich Griese in Lehsten (Waren) sowie zum Museumsverein Neubrandenburg e.V., der Regionalbibliothek Neubrandenburg und den Bibliotheken sowie den Vereinen der Region, die Literatur in ihre Programme aufgenommen haben.

Im seit 1991 jährlich wiederkehrenden Projekt "Norddeutscher Bücherfrühling" arbeitet das Literaturzentrum Neubrandenburg e.V. als Koordinator für die Literatur- und Leseveranstaltungen der Stadt Neubrandenburg und der Region.

Mit aktiver Unterstützung der Mitglieder des literarischen Netzwerkes initiiert das Literaturzentrum Neubrandenburg e.V. regelmäßig wissenschaftliche Konferenzen zu Hans Fallada, Brigitte Reimann und anderen Themen der neuen deutschen Literatur. Anspruchsvolle Forschungsvorhaben und studentische Gemeinschaftsarbeiten werden unterstützt und entsprechend den jeweiligen Möglichkeiten wie die Ergebnisse der Konferenzen veröffentlicht. Dabei entsteht durch die jeweils beteiligen Partnervereine ein Synergieeffekt zu Gunsten der Widerspieglung des literarischen Lebens in Mecklenburg-Vorpommern. Nach 1993 edierte das Literaturzentrum in ca. 30 Publikationen literarische und historische Forschungsergebnisse (auch von Partnern) und in ca. 25 Büchern ist neue Literatur von regionalen Autoren veröffentlicht worden. Allein zu diesem Zweck gründete das Literaturzentrum den Federchen-Verlag (1993), als ersten Buchverlag nach 1945 in Neubrandenburg, der heute als e.V. arbeitet. Das Literaturzentrum Neubrandenburg e.V. bietet den Besuchern des Brigitte-Reimann-Literaturhauses ein jährliches Veranstaltungsprogramm mit wechselnden thematischen Schwerpunkten an. Hierin sind Reihen integriert, die den Aspekt der Literatur- und Leseförderung ausdehnen und sich den Zeit- und Sinnfragen zuwenden. Darüber hinaus ist ein Vortragsangebot für Erwachsene und Schulklassen aktiv sowie Leseangebote und Projektarbeit für Kinder und Jugendliche.
Zunehmend werden die vielfältigen Angebote im Literaturhaus von Einzeltouristen und Gruppen wahrgenommen und haben einen festen Platz im Reise- und Ausflugsangebot des Landes. Ein Zusammenhang zwischen den Höhepunkten anderer kultureller Einrichtungen der Stadt wie Konzertnächten, Ausstellungseröffnungen in der Kunstsammlung und der Dok-Art ist nachweislich. Für Einheimische und Touristen sind die jährlich stattfindenden Hans-Fallada-Tage im Juli in Carwitz mit ihrem literarischen Programm ein Fixpunkt des kulturellen Angebots.

Traditionsgemäß ist das Literaturzentrum Neubrandenburg e.V. ein Anlaufpunkt für professionelle Schriftsteller, Bildende Künstler und Laienschaffende. Durch interdisziplinäre Projekte wie KUNSTbuch-BUCHkunst waren bis 2005 über 10 Jahre renommierte deutsche Schriftsteller und Bildende Künstler Gast des Hauses und haben während des Projektes in einem künstlerischen Unikat die Befindlichkeit der Künstler um die Jahrtausendwende artikuliert. Die dabei entstandenen zehn Kunstbücher sind ein Kunstschatz des Literaturzentrums und sollen nach Abschluß des Projektes in öffentlichen Ausstellungen gezeigt werden.

Im regelmäßigen Schreibtreff des Brigitte-Reimann-Literaturhauses stellen Laien ihre literarischen Arbeiten vor und lassen sich beraten, Werkstätten werden durchgeführt und Arbeiten im "Kaleidoskop" veröffentlicht.

Jährlich stellt das Literaturzentrum Neubrandenburg e.V. über seine Arbeit das Dokumentationsmaterial "Federfuchser" zusammen. In einer Presseschau werden die wichtigsten Beiträge der Printmedien bibliographisch erfaßt. (Die Beiträge in Rundfunk und Fernsehen können aus organisatorischen Gründen nicht gezählt werden.)
Die Dokumentation weist nach, daß z.B. im Jahr 2003 deutschlandweit ca. 150 Beiträge über Hans Fallada erschienen und weiterhin ca. 280 Beiträge über Brigitte Reimann und die Tätigkeit des Literaturzentrums. Im Jahr 2004, in dem ein Spielfilm über Brigitte Reimann und eine Bildbiographie Premiere hatten, waren es insgesamt 370 Beiträge zu beiden Themen und zusätzlich wieder ca. 150 Beiträge zu Hans Fallada.
Innerhalb von zwei Jahren erreichten demzufolge über die Ergebnisse der Tätigkeit des Literaturzentrums im weitesten Sinne allein 950 Beiträge den deutschen Leser.


Neubrandenburg, Januar 2005




Literaturzentrum Neubrandenburg e.V.
Kurzfassung


Das Literaturzentrum Neubrandenburg besteht seit 1971 und ist eine Institution für Kunstförderung und Pflege des literarischen Erbes, die städtisch, landesweit, bundesweit und international arbeitet.

Seit 1993 wird das Literaturzentrum als Verein geführt und von der Stadt Neubrandenburg und dem Land Mecklenburg-Vorpommern gefördert.

Ab Februar 1999 befindet sich der Sitz der Institution im neuen Brigitte-Reimann-Literaturhaus, in Neubrandenburg, in der Gartenstraße 6. Von hier, dem Standort des ehemaligen Wohnhauses der Schriftstellerin Brigitte Reimann, wendet sich das Literaturzentrum mit seinen Veranstaltungen zur Literatur- und Leseförderung, seinem Bildungsangebot für literaturverbreitende Berufe und mit seinen interdisziplinären Kunstprojekten an die Öffentlichkeit.

Das Literaturzentrum hat ein Archiv aufgebaut, das den Namen "Hans-Fallada-Archiv" trägt und seinen Sitz in Carwitz/Feldberger Seenlandschaft hat.

Dort, auf dem historischen Hof des Schriftstellers Hans Fallada, sind seit März 2000 der Nachlass und die Sammlung zu Hans Fallada untergebracht. Mitarbeiter des Literaturzentrums betreuen die Dokumente und stellen sie der öffentlichen Nutzung zur Verfügung. Der Nachlass ist Eigentum des Landes Mecklenburg-Vorpommern und wird durch das Literaturzentrum treuhänderisch verwaltet. Die Sammlung ist Eigentum der Institution. Eine Stiftung trägt für die Pflege und Vervollkommnung des wertvollen Kulturgutes Sorge.

Der Nachlass und die Sammlung zu Brigitte Reimann sowie die Bestände „Literarisches Leben der Region nach 1945“ haben ihren Standort im neuen Literaturhaus in Neubrandenburg.

Der Nachlass von Brigitte Reimann wurde 1995 vom Literaturzentrum mit großzügiger Unterstützung der Stadt, des Landes, des Bundes, der Stiftung Kulturfonds sowie privater Sponsoren erworben. Dem ging eine 17 Jahre währende Sammeltätigkeit voraus.